Johanniskraut

JOHANNISKRAUT

Hypericum Perforatum

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Nicht ohne Grund wurde das echte Johanniskraut vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gekürt. Diese Forschungsgruppe der Universität Würzburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, das historische Wissen der Klöster zu erforschen und für die heutige Medizin nutzbar zu machen.
Zwar ist das Johanniskraut schon seit mehr als 2000 Jahren als Arzneipflanze bekannt, dennoch hat die Pflanze noch ein großes Potential. Johanniskrautextrakte werden unter Anderem auf eine mögliche Wirkung bei Alzheimer, Krebs und der Bekämpfung resistenter Bakterien erforscht.

Arzneipflanze des Jahres 2015

In der Antike wurde Johanniskraut vor allem äußerlich zur Behandlung von Verletzungen und Brandwunden verwendet. Im ´Lorscher Arzneibuch´ aus der Zeit um 795 nach Christus (ältestes  erhaltenes Buch der Klostermedizin) wird das Kraut erstmals als Mittel zur Behandlung der ´Melancholie` erwähnt. Und auch heute noch ist die Einnahme von Johanniskrautextrakten gegen leichte depressive Verstimmungen das Hauptanwendungsgebiet der Arzneipflanze.

 Sonnenwende und Johannisfeuer

Johanniskraut ist in ganz Europa und in Westasien heimisch. In der Zeit von Juni bis August kann man das Kraut mit seinen auffallend goldgelben Blüten an Wegrändern, Wiesen und Waldlichtungen antreffen. Doch Vorsicht beim Pflücken! Zerdrückt man Blüten, Knospen oder Triebspitzen , tritt ein Saft aus, der die Hände rot färbt.
Hält man eines der eiförmigen Blätter der Pflanze gegen das Licht, erkennt man die Öldrüsen, die das Blatt wie getüpfelt oder gelöchert erscheinen lassen. (perforiert s.a. lateinischer Name perforatum). Der deutsche Name der Pflanze leitet sich vom Johannistag, dem 24. Juni ab (Namenstag von Johannes dem Täufer). In dieser Zeit beginnt die Pflanze zu Blühen. In alten Zeiten trug man Kränze aus Johanniskraut zur Sonnenwende oder beim Tanz um das Johannisfeuer.

Hält man ein Blatt des echten Johanniskrauts gegen das Licht, erscheint das Blatt wie getüpfelt oder gelöchert.

Obwohl das echte Johanniskraut eine der meist untersuchten Pflanzen ist, ist noch unklar welcher der Inhaltsstoffe für die stimmungsaufhellende Wirkung verantwortlich ist. Die Pflanze enthält Hypericin und Hyperforin und die Flavonoide Hyperosid und Rutosid. Außerdem enthält sie Gerbstoffe, ätherische Öle und sekundäre Pflanzenstoffe.
Depressionen können vielfältige Ursachen haben. Nach neueren Untersuchungen weiß man, das bei depressiven Menschen häufig ein Mangel von Botenstoffen im zentralen Nervensystem vorliegt. Diese Botenstoffe übertragen an den Verknüpfungsstellen der Nervenzellen Informationen und Reize.
Durch Johanniskrautextrakte kommt es über verschiedene Mechanismen zum Anstieg der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin in den Nervenenden. Das führt zu einer besseren Reizübertragung. Man geht heute davon aus, das ein Zusammenspiel der einzelnen Inhaltsstoffe für diese Wirkung verantwortlich ist.
Auch die klassischen synthetisch hergestellten Antidepessiva bewirken einen Anstieg der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin.
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit von Johanniskrautextrakten auch im Vergleich mit den chemisch hergestellten Medikamenten. Daher hat die wissenschaftliche Sachverständigenkommission E des Bundesamtes für Arzneimittel Medizinprodukte (BfArM) die Arzneipflanze positiv bewertet. Extrakte aus Johanniskraut sind als Arzneimittel zugelassen zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen, innerer Unruhe, Angstzuständen, Wechseljahrsbeschwerden und sog. psychovegetativen Erkrankungen, wie z.Bsp. Reizdarm.

Zusammenspiel der Inhaltsstoffe für die Wirkung verantwortlich

Johanniskraut ist gut wirksam gegen leichte bis mittelschwere Depressionen und hat dabei weniger Nebenwirkungen, als klassische Antidepressiva. Die Arzneipflanze kann nicht abhängig machen und beeinflusst nicht das Reaktionsvermögen, sodass die Patienten auch beim Auto fahren oder am Arbeitsplatz nicht eingeschränkt sind.

Eine Wirkung erreicht man aber nur bei einer Gabe von mindestens 850 mg Johanniskrautextrakt täglich. Dabei entsprechen 850 mg Extrakt etwa 4250 mg der Arzneipflanze. Niedrig dosierte Präparate aus der Drogerie oder vom Discounter sind daher nicht geeignet. Es dauert (ähnlich, wie bei den chemischen Antidepressiva) mindestens 14 Tage bis die volle Wirkung des Johanniskrautextraktes einsetzt.

Johanniskraut immer hoch dosiert und für mindestens 2 Wochen einnehmen

Der alltägliche Spagat zwischen Familie, Arbeit und Freizeit bringt viele Menschen in unserer Zeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Der Stress und die hohen Anforderungen können auf Dauer zu einem Stimmungstief führen. Unausgeglichenheit, Antriebs- und Schlaflosigkeit können die Folge sein. Solche Phasen der Niedergeschlagenheit durchlebt jeder Mensch. Was aber tun, wenn man nicht mehr herauskommt aus dem Tief?
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten wieder zu einer ausgeglichenen Stimmung, höherer Belastbarkeit und besserem Schlaf zu finden.
Veränderungen im Alltag können dabei hilfreich sein. Belohnen sie sich selbst mit schönen Ereignissen, wie einem wohltuenden Bad am Abend oder nehmen sie sich mal wieder Zeit für ein gutes Buch. Sprechen sie mit ihren Freunden, mit ihrer Familie oder auch einem Therapeuten über ihre Gefühle. Sammeln sie Kraft für den Alltag bei kreativen Tätigkeiten, die sie entspannen. Auch Bewegung, wie ein Spaziergang an der frischen Luft kann helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen.
Johanniskraut kann sie dabei unterstützen ihre Gefühlslage wieder in Balance zu bringen, wieder Lebensfreude und Energie für den Alltag zu gewinnen und ihren Schlaf zu verbessern.

Johanniskraut kann sie dabei unterstützen ihre Gefühlslage wieder in Balance zu bringen, wieder Lebensfreude und Energie für den Alltag zu gewinnen und ihren Schlaf zu verbessern.

Ob eine Therapie mit Johanniskraut für sie in Frage kommt, besprechen sie am besten mit ihrem Apotheker oder ihrem Hausarzt. Auf jeden Fall mit einem Arzt sprechen sollten sie, falls sie noch weitere Medikamente einnehmen oder sich Schwangerschaft oder Stillzeit befinden.
Johanniskrautextrakte können die Wirkung bestimmter anderer Medikamente abschwächen oder verstärken. Nehmen sie Immunsuppressiva oder Medikamente gegen HIV oder Krebs ein, dürfen sie kein Johanniskraut einnehmen.

Die Einnahme von Johanniskraut kann eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut bewirken. Das heißt sie sollten während der Einnahme von Johanniskraut ganz besonders darauf achten, Sonnenschutz-Maßnahmen entsprechend ihres Hauttyps zu ergreifen.

Weitere Informationen zu den Themen Johanniskraut und Depressionen:

www.laif900balance.de
www.kompetenznetz-depression.de
www.telefonseelsorge.de
www.klostermedizin.de

Foto: Alexander Raths – Fotolia